Blaue Abendstunde mit Frühlingsstern und der Rand unserer Milchstraße

Blaue Abendstunde mit Frühlingsstern und der Rand unserer Milchstraße

 

LANDKREIS FULDA, 29.10.2026. „Gegen der Erde Leid gibt es keinen Trost als den Sternenhimmel“, schrieb einst der Dichter Jean Paul (1763–1825). Was uns die Sterne im November bringen, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.

Jenseits des Kunstlichts und wieder in der Normalzeit angekommen, beschert uns der frühe Sonnenuntergang schon zum Feierabend nicht nur die wunderschöne Abenddämmerung. Im warmen Restlicht der Sonne fällt im Westen ein sehr heller und kräftig funkelnder Stern auf – es ist Arktur, ein letzter Gruß des Frühlings. Begrüßen dürfen wir ihn wieder ab März in den Abendstunden am Osten.

Den Blick vom Westhimmel in den Zenit hebend, erblickt man Deneb, der die Schwanzfeder des Sommersternbild Schwan markiert. 200-mal passt unsere Sonne nebeneinander in diesen Riesenstern. Nur deshalb können wir ihn trotz seiner enormen Entfernung von mehr als 1.600 Lichtjahren sehen. Bei gleicher Masse wie Arktur mit rund 37 Lichtjahren Entfernung würden wir Deneb nicht mit bloßem Auge sehen.

Deneb befindet sich von der Blickrichtung Erde aus in der wunderschönen Milchstraße, deren sternreiches Zentrum in dieser Jahreszeit nun nicht mehr zu sehen ist. Schaut man Richtung Nordosten, fällt auf, wie die Milchstraße Richtung Cassiopeia, dem markanten Himmels-W, deutlich blasser erscheint. Das liegt daran, dass wir an den Rand der Milchstraße schauen, die als flache Scheibe nach außen hin an Masse abnimmt.

Pegasus, Saturn and friends

Kaum übersehbar zeigt sich nun auch das sehr markante Herbst-Quadrat. Drei seiner Ecksterne markieren den Leib des geflügelten Pferds der Dichter und Denker, Pegaus, der auf dem Rücken liegend stets den Blick von uns Erdlingen wendet. Den vierten Eckstern des Quadrats teilt sich Pegasus mit dem Sternbild Andromeda. Etwas unterhalb strahlt Saturn, der als Planet wie die Erde die Sonne umkreist. Er ist 10-mal weiter von der Sonne entfernt als unser Heimatplanet und braucht dafür 29,5 Erdenjahre.

Eine Etage tiefer befindet sich die wasserreichste Region – im übertragenen Sinne. Unterhalb von Pegasus findet man das Sternbild Fische, und darunter fällt im Sternbild Walfisch besonders der Stern Diphda auf, was das arabische Wort für „Frosch“ ist. Etwas südwestlich grüßt der lichtschwache Wassermann, und am Horizont sieht man den Stern Fomalhaut prächtig funkeln. Als hellster Stern des Sternbilds Südlicher Fisch erlaubt er uns einen Blick auf die Südseite des Himmelsäquators.

Die Mond-Mars-Jupiter-Polonäse und Venus als Morgenstern

Weniger nass geht es am Osthimmel zu. Dort gehen kurz nach Mitternacht der rötliche Mars und kurz danach Jupiter auf. Man kann sie gut erkennen, da sie im Gegensatz zu den Sternen nicht funkeln. In den ersten November-Nächten bilden die beiden Planeten mit unserem abnehmenden Erdenmond regelrecht eine Polonäse. Doch wandert der Mond weiter Richtung Neumondstellung und begegnet auf seinem Weg unserem inneren Nachbarplaneten Venus, die morgens um 6 Uhr jene, die früh aufstehen, am Osthimmel betört.

Mondlicht, helle Sternschnuppen und Rücksicht statt Plastik-Lichterketten

Als hellstes natürliches Licht in der Nacht beeindruckt der Mond nach Neumond am 9. November zunehmend in seiner Sichelstellung. Seine Halbmondstellung am 17. November sollte uns bewusst machen, wie gut wir nachts schon damit sehen können, obwohl die Beleuchtungsstärke noch nicht mal ein halbes Lux erreicht – von Vollmond am 26. November ganz zu schweigen.

Statt in Straßenlaternen oder Lichterketten zu schauen, kann man nun gut die Mondflecken beobachten und zeichnen. Das macht vielleicht auch Lust darauf herauszufinden, wie die Erde zu so einem großen Mond gekommen ist. Und mit etwas Glück zeigen sich auch einige helle Meteore der Sternschnuppenströme der Leoniden.

Kunstlicht aus – Sternenglück an

Dass unser Planet unter unserem übermäßigem Konsumverhalten leidet, ist bekannt. Dazu gehören auch die Plastik-Kunstlichtprodukte, deren Herstellung und Entsorgung allein schon problematisch für die Umwelt sind. Noch dazu vertreiben sie das „wahre“ Licht der Nacht und stören unsere tierischen Gartenbewohner – zum Beispiel Vögel, von denen viele die kalte Winterzeit bei uns verbringen und die wir wie auf Nachtruhe angewiesen sind.

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Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu. Die monatliche Himmelsvorschau, ausführliche Informationen zum Sternenpark, zum Thema Schutz der Nacht und umweltverträgliche Beleuchtung sowie Erlebnisangebote und Veranstaltungen im Sternenpark Rhön findet man auf der Webseite des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark

Hintergrund: Sternenpark Rhön

International Dark Sky Reserve: Dieser Titel wurde dem länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön auf Antrag der Regionalen Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise (ARGE Rhön) im Sommer 2014 verliehen. Die International Dark Sky Association (IDA) vergibt den Titel an Schutzgebiete mit einem sternreichen Himmel und einer weitgehend intakten Nachtlandschaft, die wegen ihres ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Werts beziehungsweise ihrer Bedeutung für Bildung und Erholung großräumig geschützt werden. In Deutschland heißen diese Gebiete Sternenpark.

Die Kulisse des Sternenparks Rhön erstreckt sich im Wesentlichen über das Gebiet des Biosphärenreservats. Mehr als 40 Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen haben freiwillig die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinien unterzeichnet. Aber auch Kommunen außerhalb der Gebietskulisse beteiligen sich am Schutz der Nacht. Ziel ist, Lichtverschmutzung bestmöglich zu reduzieren – also zu verhindern, dass künstliche Beleuchtung den Nachthimmel und somit wiederum die Natur und Schutzgebiete aufhellt. Rechtliche Grundlagen liefert unter anderem das Bundesnaturschutzgesetz.

Zu den Maßnahmen im Sternenpark zählen die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung von Parametern wie zielgerichtete Lichtlenkung, warme Lichtfarben mit geringem Blauanteil und bedarfsorientiere Beleuchtung und Intensität, aber auch zeitweise Abschaltung in der Nacht, für die sich Kommunen und Unternehmen freiwillig entscheiden.

Das Projekt Sternenpark ist aber nicht nur ein relevanter Bestandteil im Klima- und Artenschutz in der Region, sondern die Region profitiert auch im Bereich Tourismus und Erholung von der Auszeichnung. Im Sinne einer umweltfreundlichen Besucherlenkung und der Umweltbildung wurden Angebote wie Sternenparkführungen und Himmelsschauplätze entwickelt. Die Auszeichnung der IDA ist nicht auf Dauer verliehen, sondern die Maßnahmen werden jährlich evaluiert. Der Sternenpark Rhön ist somit ein Gemeinschaftswerk der Kommunen, Unternehmen und den Menschen, die in der Region leben. 

Rund um das Thema Beleuchtung erhalten Kommunen, Vereine und Gewerbetreibende, aber auch Privatleute Beratung. Auch Fördermittel stehen unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung. Ansprechpartner sind die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda sowie die Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats in Hessen, Bayern und Thüringen.

 

Text: Pressestelle Landkreis Fulda, Wörthstraße 15, 36037 Fulda, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Foto: Venus in der Morgenröte. Foto: Jens Müller

Download: Sternkarte November. Grafik: Vereinigung der Sternfreunde e. V.