Himmelsvorschau für den Monat September
Tag- und Nachtgleiche, die Venus im größten Abendglanz und „Erntemond“ am Nachthimmel
LANDKREIS FULDA, 01.09.2026. Was uns die Sterne im September bringen, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.
„12 Stunden Tag – 12 Stunden Nacht – so wird der Herbstanfang gemacht“ reimt fröhlich der Sternenpoet Roland Müller. Und nach einem gefühlt endlos langen Sommer und ereignisreichen Sternenpark-Wochen kommt der September nun leise: Die Tage werden kürzer und die Dämmerung setzt früher ein. Der Herbst naht – und das zeigt sich allmählich auch am Himmelszelt. Wenn die Erde am 23. September um 1 Uhr nachts auf ihrer Reise um die Sonne den Herbstpunkt erreicht, sind Tag und Nacht auch auf unseren Breitengraden annähernd gleich lang.
Die „sie kann nicht anders“-Venus, der Mond und die Planeten
Schon kurz nach Sonnenuntergang lohnt sich der Blick nach Südwesten. Auffällig leuchtet unser innerer Nachbarplanet in der Dämmerung und macht ihrem Beinamen als so genannter Abendstern alle Ehre. Bis zum 19. September erreicht sie als Glanzlicht des Abendhimmels ihre größte Helligkeit. Danach zieht sie – für unsere Blicke verborgen – zwischen Erde und Sonne hindurch und zeigt sich im November wieder als Morgenstern vor Sonnenaufgang. Während man jeden klaren Abend zur Bewunderung der Venus nutzen kann, lässt sich auch ihr Spiel mit unserem Mond beobachten: Beginnt der September mit der Neumondphase, gesellt sich die hauchdünne Mondsichel nach Neumond am Abend des 14. September zur Venus. Danach entfernen sich beide wieder voneinander. Wenn am 26. September der Vollmond das hellste Licht der Nacht ist, versteht man, warum ein historischer Name des September „Erntemond“ lautet. Er steht dann knapp rechts oberhalb von Saturn. Jupiter und Mars zeigen sich dagegen gnädigerweise in den Morgenstunden den Frühaufstehern.
Der Schwan inmitten der Milchstraße mit einem Stern für die Wissenschaft
Die früher einsetzende Dunkelheit hat den Vorteil, dass man die Sommermilchstraße nun zu angenehmen Uhrzeiten in den Blick nehmen kann. In voller Pracht zeigt sie sich als silbrig schimmerndes Band, das den Himmel von Nordosten nach Südosten quert. Hoch am Himmel – gleichsam mit der Milchstraße über den Himmel fliegend – zeigt sich der Göttervater Zeus in Gestalt des Schwans. Rechts und links davon stehen die beiden weiteren Sommersternbilder Leier und Adler. Der Schwan, lateinisch Cygnus, gehört zu den wenigen Sternbildern, deren Umrisse zum Namen passen: Seine markante kreuzartige Form macht ihn zu einem schönen und leicht erkennbaren Sternbild. Der hellste Stern, Deneb, bildet den Schwanz, der zweithellste Stern, Albireo, den Kopf. Sadr leuchtet als Rumpfstern, während sich rechts und links von ihm die Flügel ausspannen.
Als einer der historisch bedeutendsten Sterne am Himmel gilt jedoch 61 Cygni. Anhand dieses Sterns wurde erstmals die Entfernung zu einem Stern gemessen. Der aus Minden stammende Astronom Friedrich Wilhelm Bessel zeigte 1838 mithilfe dieses Sterns, dass die Erde tatsächlich um die Sonne läuft. Bessel maß das durch die Erdbewegung um die Sonne bedingte minimale Hin- und Herpendeln des Sterns vor dem Hintergrund viel weiter entfernter Objekte. Das von Nicolaus Kopernikus berechnete und durch Beobachtungen Galileis gestützte neue Weltbild erhielt durch Bessels exakte Messungen eine entscheidende Bestätigung. In dunklen Nächten und an Orten ohne Lichtverschmutzung kann man diesen Stern der Wissenschaftsgeschichte sogar mit bloßem Auge sehen.
Alle vier Jahreszeiten am Firmament
Die Früh-Sommersternbilder Bootes mit seinem hellsten Stern Arktur, die Nördliche Krone und Herkules sind bereits nach Westen gerückt. Den Herbst repräsentiert im Osten das Pegasus-Quadrat. Der Große Wagen steht fast am Nordhorizont, weit unter dem Polarstern. Von Nordosten nähern sich Kassiopeia, Perseus und Andromeda und auch schon die ersten Wintersterne. Besondere Aufmerksamkeit sollte nun nochmal der südliche Horizontkreis erhalten: Dort funkelt am Ende der Milchstraße der Schütze in wahrlich voller Pracht. Und könnten wir durch Gas- und Staubwolken weiter blicken, kämen wir in 26.000 Lichtjahren Entfernung zum Zentrum unserer Galaxie – mit unvorstellbaren „Gewicht“ von 4 Millionen Sonnenmassen bildet es das Schwarze Loch, um das alle Sterne am Himmel kreisen.
Rückblick zu den Sternenpark-Wochen: Aus Zeichen Gewohnheit machen!
So umfangreich wie nie war das Veranstaltungsprogramm während der Sternenpark-Wochen im August. Und viele Gäste und Einheimische haben die unterschiedlichen Angebote bewusst angenommen. Der für die Ziele und Aufgaben des Sternenparks Rhön wichtigste Programmpunkt war die Licht-Aus-Aktion rund um das zweite Augustwochenende. Bereits zum 6. Mal ließen zahlreiche Kommunen das ganze Wochenende die öffentliche Beleuchtung komplett ausgeschaltet. Und auch in diesem Jahr zeigt sich, wie unspektakulär die Aktion eigentlich ist – es wird einfach gemacht und funktioniert. Da stellt sich wieder mal die Frage nach dem Kompromiss: Warum nicht – wie es einige Rhön-Kommunen bereits seit Jahren tun – die öffentliche Beleuchtung zur späten Stunde – der Kernzeit der Nacht - ganzjährig abschalten? Auf diese Weise würde nicht nur die Lichtabstrahlung über Staubteilchen in die Außenbereiche und Schutzgebiete verhindert – sondern auch wertvolle Energie gespart, die tierischen tag- und nachtaktiven Freudenbringer in unseren Gärten wirksam unterstützt, die Lichtverschmutzung wieder gegen den Sternenhimmel getauscht und überrascht würde man feststellen, dass es selten richtig dunkel ist und wie gut wir nachts sehen können.
Bildunterschriften
Foto: Auch in Empfertshausen blieb ein Wochenende lang die öffentliche Beleuchtung ausgeschaltet. Foto: Andreas Mötzung
Download: Sternenkarte für den Monat September. Grafik: Vereinigung der Sternfreunde (VdS)
Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu. Die monatliche Himmelsvorschau, ausführliche Informationen zum Sternenpark, zum Thema Schutz der Nacht und umweltverträgliche Beleuchtung sowie Erlebnisangebote und Veranstaltungen im Sternenpark Rhön findet man auf der Webseite des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark
Hintergrund: Sternenpark Rhön
International Dark Sky Reserve: Dieser Titel wurde dem länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön auf Antrag der Regionalen Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise (ARGE Rhön) im Sommer 2014 verliehen. Die International Dark Sky Association (IDA) vergibt den Titel an Schutzgebiete mit einem sternreichen Himmel und einer weitgehend intakten Nachtlandschaft, die wegen ihres ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Werts beziehungsweise ihrer Bedeutung für Bildung und Erholung großräumig geschützt werden. In Deutschland heißen diese Gebiete Sternenpark.
Die Kulisse des Sternenparks Rhön erstreckt sich im Wesentlichen über das Gebiet des Biosphärenreservats. Mehr als 40 Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen haben freiwillig die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinien unterzeichnet. Aber auch Kommunen außerhalb der Gebietskulisse beteiligen sich am Schutz der Nacht. Ziel ist, Lichtverschmutzung bestmöglich zu reduzieren – also zu verhindern, dass künstliche Beleuchtung den Nachthimmel und somit wiederum die Natur und Schutzgebiete aufhellt. Rechtliche Grundlagen liefert unter anderem das Bundesnaturschutzgesetz.
Zu den Maßnahmen im Sternenpark zählen die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung von Parametern wie zielgerichtete Lichtlenkung, warme Lichtfarben mit geringem Blauanteil und bedarfsorientiere Beleuchtung und Intensität, aber auch zeitweise Abschaltung in der Nacht, für die sich Kommunen und Unternehmen freiwillig entscheiden.
Das Projekt Sternenpark ist aber nicht nur ein relevanter Bestandteil im Klima- und Artenschutz in der Region, sondern die Region profitiert auch im Bereich Tourismus und Erholung von der Auszeichnung. Im Sinne einer umweltfreundlichen Besucherlenkung und der Umweltbildung wurden Angebote wie Sternenparkführungen und Himmelsschauplätze entwickelt. Die Auszeichnung der IDA ist nicht auf Dauer verliehen, sondern die Maßnahmen werden jährlich evaluiert. Der Sternenpark Rhön ist somit ein Gemeinschaftswerk der Kommunen, Unternehmen und den Menschen, die in der Region leben.
Rund um das Thema Beleuchtung erhalten Kommunen, Vereine und Gewerbetreibende, aber auch Privatleute Beratung. Auch Fördermittel stehen unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung. Ansprechpartner sind die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda sowie die Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats in Hessen, Bayern und Thüringen.