Himmelsvorschau für Juni 2026

Himmelsvorschau für Juni 2026

LANDKREIS FULDA, 03.06.2026. Jede Menge los am Nachthimmel: Was uns die Sterne im Juni bringen, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.

„Nun die Sonne soll vollenden ihre längste, schönste Bahn“ – mit diesen Zeilen aus dem Ge-dicht „Sonnenwende“ beschreibt Ludwig Uhland die endlos langen Tage und sehr kurzen Nächte, die uns im Juni bevorstehen. Am 21. Juni erreicht die Sonne um 9.25 Uhr ihren höchsten Stand am Himmel und steht senkrecht über dem Wendekreis des Krebses. Dieser Tag markiert den längsten Tag des Jahres und den Beginn des Sommers auf der Nordhalbkugel.

Göttin trifft auf König

Damit ist der Juni zwar die nachtärmste Zeit – hält in diesem Jahr aber für alle Menschen, die den bestirnten Himmel über uns schätzen und am besten auch schützen, einen der schönsten Himmelsanblicke parat. Es wird schon vielen aufgefallen sein, dass sich schon kurz nach Sonnenuntergang am blauen Westhimmel zwei sehr helle und ein gerade noch sichtbares Gestirn befinden. Der ganz schwach am Horizont erkennbare Merkur wird ganz klar von Jupiter, unserem Riesenplaneten im Sonnensystem und Venus, auch Abendstern genannt, überstrahlt. In der antiken Mythologie ist Venus als Göttin der Liebe bekannt. Jupiter ist das römische Gegenstück zum griechischen Zeus, also der König der Götter. In der ersten Juni-Woche können wir am Himmel verfolgen, wie sich die Liebe dem König nähert und Venus und Jupiter immer näher aneinanderrücken. Am Abend des 10. Juni stehen sie ganz eng nebeneinander und nehmen dann wieder Abschied voneinander, indem die Venus in Richtung Südost weiterzieht. Ab dem 17. Juni gesellt sich der hauchdünne Sichelmond hinzu und wird am 30. Juni den Monat als Vollmond beenden.

SMILE für unseren Superstar Sonne

Es ist unsere Sonne, die Mond und Planeten zum Leuchten bringt und uns diese schönen Himmelsanblicke ermöglicht. Gleichzeitig ist sie ein dynamischer Himmelskörper. Ihre Sonnenwinde sind für Menschen, Flora und Fauna dank des Erdmagnetfelds keine direkte Gefahr – starke geomagnetische Sonnenstürme jedoch können Stromnetze und Navigationssatelliten gefährden. Für ein besseres Verständnis für die Wechselwirkung zwischen Sonnenwind und Erdatmosphäre und eine bessere Vorhersage ist nun die Satelliten-Mission SMILE (Solar wind Magnetosphere Ionosphere Link Explorer) der Europäischen Weltraumorganisation und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften gestartet. Mit an Bord sind auch hier wieder Instrumente höchster deutscher Ingenieurskunst, die auf den umfassenden astronomischen Erkenntnissen der letzten Jahrhunderte aufbauen.

Sternennächte

Abkühlung von der Sommerhitze bieten unsere Sternenächte. Auch wenn sie kurz und nach hinten verschoben sind, bieten die magischen Juni-Sternennächte Abkühlung von der Sommerhitze. Nach Westen gehend räumen die Frühlingssternbilder Löwe und Jungfrau langsam das Feld – im Osten betreten die Sternbildern Leier, Schwan und Adler bereits die himmlische Bühne. Deren Hauptsterne Wega, Deneb und Atair bilden das charakteristische Sommerdreieck, das uns ab jetzt bis in den Herbst hinein begleiten wird. Im Süden dominiert halbhoch am Himmel das Sternbild Bootes mit dem hellen, orangerot funkelnden Arcturus als Hauptstern. Links davon ist mit dem Sternbild nördliche Krone ein kleines, aber auffälliges Sternbild zu sehen, welches aus fünf in einem Halbkreis angeordneten Sternen besteht. Zwischen der nördlichen Krone und der Leier ist im Sternbild Herkules, etwa auf halber Strecke zwischen Wega und Arcturus, in dunklen Nächten ein schwach nebliger Fleck mit bloßem Auge zu erkennen, der sich im Fernglas als Kugelsternhaufen entpuppt. Die kugelförmige Ansammlung beherbergt ca. 100.000 Sterne in einer Entfernung von 25.000 Lichtjahren.

Glühwürmchen-Blues

Vor der Uhrumstellung 1980 dämmerte es in den warmen Nächten des Sommers schon eine Stunde früher, und Groß und Klein konnten noch vor dem Zubettgehen die Glühwürmchen sehen, die wie kleine tanzende Lichter über dem Garten schwebten. Heute verpassen viele Kinder diese magischen Momente. Und das nicht nur wegen der künstlich später einsetzenden Dämmerung – die Glühwürmchen sind auch deutlich seltener geworden. Ein Hauptgrund für das Verschwinden ist, dass die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere zur Partnersuche auf Dunkelheit und ihr eigenes Leuchten angewiesen sind. Die flugfähigen Männchen fliegen durch die Nacht und senden Lichtsignale aus, die die flugunfähigen Weibchen vom Boden aus beantworten – ein fein abgestimmter Liebesdialog aus kurzen Lichtblitzen. Doch die „Glühwürmchen-Hochzeit“ wird durch menschliches Handeln maßgeblich gestört und verhindert: Künstliches Licht von Straßenlaternen, die in Gärten hineinstrahlen, und zusätzlich die LED-Modeerscheinung leuchtender Plastikdeko lassen die zarten Signale der Glühwürmchen untergehen. Die Folge: Die Glühwürmchen finden einander nicht oder nur noch schwer, paaren sich seltener, ganze Populationen brechen zusammen, und nach und nach verlöscht ihr eigenes kleines Liebesfeuer. Doch wenn wir Rücksicht nehmen und bestirnte Nächte nicht gegen Kunstlicht eintauschen, haben die liebenswerten Sommerboten noch eine Chance.

Wunderschöne Aufnahmen und Videos von fliegenden Glühwürmchen im Wald zeigt Carl Herzog aus Idstein auf seiner Webseite: https://www.carl-herzog.de/wetter/nachtaktive-tiere.htm

Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.   

Hintergrund: Sternenpark Rhön

International Dark Sky Reserve: Dieser Titel wurde dem länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön auf Antrag der Regionalen Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise (ARGE Rhön) im Sommer 2014 verliehen. Die International Dark Sky Association (IDA) vergibt den Titel an Schutzgebiete mit einem sternreichen Himmel und einer weitgehend intakten Nachtlandschaft, die wegen ihres ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Werts beziehungsweise ihrer Bedeutung für Bildung und Erholung großräumig geschützt werden. In Deutschland heißen diese Gebiete Sternenpark.

Die Kulisse des Sternenparks Rhön erstreckt sich im Wesentlichen über das Gebiet des Biosphärenreservats. Mehr als 40 Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen haben freiwillig die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinien unterzeichnet. Aber auch Kommunen außerhalb der Gebietskulisse beteiligen sich am Schutz der Nacht. Ziel ist, Lichtverschmutzung bestmöglich zu reduzieren – also zu verhindern, dass künstliche Beleuchtung den Nachthimmel und somit wiederum die Natur und Schutzgebiete aufhellt. Rechtliche Grundlagen liefert unter anderem das Bundesnaturschutzgesetz.

Zu den Maßnahmen im Sternenpark zählen die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung von Parametern wie zielgerichtete Lichtlenkung, warme Lichtfarben mit geringem Blauanteil und bedarfsorientiere Beleuchtung und Intensität, aber auch zeitweise Abschaltung in der Nacht, für die sich Kommunen und Unternehmen freiwillig entscheiden.

Das Projekt Sternenpark ist aber nicht nur ein relevanter Bestandteil im Klima- und Artenschutz in der Region, sondern die Region profitiert auch im Bereich Tourismus und Erholung von der Auszeichnung. Im Sinne einer umweltfreundlichen Besucherlenkung und der Umweltbildung wurden Angebote wie Sternenparkführungen und Himmelsschauplätze entwickelt. Die Auszeichnung der IDA ist nicht auf Dauer verliehen, sondern die Maßnahmen werden jährlich evaluiert. Der Sternenpark Rhön ist somit ein Gemeinschaftswerk der Kommunen, Unternehmen und den Menschen, die in der Region leben. 

Rund um das Thema Beleuchtung erhalten Kommunen, Vereine und Gewerbetreibende, aber auch Privatleute Beratung. Auch Fördermittel stehen unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung. Ansprechpartner sind die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda sowie die Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats in Hessen, Bayern und Thüringen.

Infos zum Sternenpark

Die monatliche Himmelsvorschau, ausführliche Informationen zum Sternenpark, zum Thema Schutz der Nacht und umweltverträgliche Beleuchtung sowie Erlebnisangebote und Veranstaltungen im Sternenpark Rhön findet man auf der Webseite des Biosphärenreservats: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark

 

 

Foto: Die hellen Planeten Jupiter und Venus mit den Zwillingssternen Pollux und Castro. Foto: Helmut Schnieder

Grafik: Sternenkarte für den Monat Juni. Grafik: Vereinigung der Sternfreunde (VdS)

Text: Pressestelle Landkreis Fulda, Wörthstraße 15, 36037 Fulda, Lisa Laibach, Tel.: (0661) 6006-9031, Leoni Rehnert, Tel.: (0661) 6006-9033, Anna-Lena Bieneck, Tel.: (0661) 6006-9034, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., www.landkreis-fulda.de