Himmelsvorschau für Oktober
Feuerkugeln, käsiger Mond und kranke Spatzen
LANDKREIS FULDA, 29.09.2026. „Im Oktober, wenn der Abend früher beginnt, die Milchstraße dann schon am Himmel blinkt“ – so lässt sich der bevorstehende Monat mit seinen klaren und nur gelegentlich von hauchdünnen Herbstnebelschleiern leicht getrübten Nächten gut beschreiben. Was uns die Sterne im Oktober bringen, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.
Schon kurz nach dem magischen Dämmerungsende zeigt sich jetzt schon ab 20 Uhr das silbrige magisch schimmernde Band aus Myriaden von Sternen, auf das man in lauen Sommernächten noch bis Mitternacht warten musste. Und mit Beginn der Normalzeit ab dem 25. Oktober begleitet uns der geschmückte Nachthimmel schon ab Feierabend.
Sommerdreieck rechts und links der galaktischen Ebene
Wenn wir die Milchstraße über unseren Köpfen sehen, können wir uns bewusst machen, dass wir bei ihrem Anblick in die galaktische Ebene unserer Heimatgalaxie schauen. Wie wunderbar, dass wir das – an Orten ohne Lichtverschmutzung – vor unseren Haustüren erleben können! Im Bereich der Milchstraße fallen drei helle Sterne auf. Sie bilden das sogenannte Sommerdreieck aus den jeweils hellsten Sternen der Sternbilder Adler, Leier und Schwan. Das Sternbild Schwan ist aufgrund seiner kreuzartigen Form – das sind die ausgebreiteten Flügel – gut zu erkennen. Der Schwan, so scheint es, fliegt mit der Milchstraße über den Himmel. Es ist der verwandelte Zeus, der auf dem Weg ist, der Tochter der Göttin der Nacht seine Aufwartung zu machen.
Folgt man der Milchstraße Richtung Südwesthorizont, fällt eine wahre Funkelkammer auf – es ist das Sternbild Schütze, dort liegt das Zentrum unserer Galaxis. Richtung Osten leitet uns die Milchstraße zum berühmten Himmels-W, der Cassiopeia. Hier schauen wir eher an den Rand der Milchstraße.
Der hellste und der fürs Auge fernste Stern
Schaut man Richtung Westen, sieht man einen sehr hellen, leicht orange leuchtenden Stern, der wie verrückt funkelt. Das ist Arktur, der hellste Stern am nördlichen Firmament und letzter Frühlingsgruß. Doch wollen es die Umläufe der Planeten um die Sonne momentan so, dass uns der Abschied leicht gemacht wird. Denn genau gegenüber im Osten sieht man alleinstehend ein knopfartiges Gestirn, das nicht funkelt: Das ist Saturn, der schöne Ringplanet. In einem halben Jahr, wenn die Erde also eine halbe Runde um die Sonne gesaust ist, wird Arktur dann dort stehen und den Frühling einläuten.
Wer mal nicht schlafen kann, kann ab 3 Uhr nachts am Osthimmel endlich wieder den Mars sehen, dessen Eisenoxid-Oberfläche ihm die rote Färbung gibt. Dicht auf seinen Fersen folgt Jupiter, der größte unter den Planeten.
Pegasus, das Quadrat und Fernglasschätze
Vom Schwan im Zenit in Richtung Osten erkennt man auf halber Strecke ein riesengroßes Quadrat. Das ist der Bauch des geflügelten Pferdes Pegasus, dessen Vater der Legende nach der Meeresgott Poseidon war, die Gorgone Medusa seine Mutter. Sie leuchtet nun auch schon etwas östlich von Pegasus in der linken Hand des Perseus, der unterhalb der Cassiopeia als wunderschöne Perlenkette steht. Nimmt man ein Fernglas mit einer etwas größeren Öffnung zur Hand und unternimmt einen Streifzug vom Schwan zur Cassiopeia und vom Pegasus zum Perseus, zeigen sich allerlei funkelnde Schätzchen, darunter auch unsere Nachbargalaxie Andromeda in 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung.
Von herbstlichen Feuerkugeln und Trümmerteilen
Fixiert auf die August-Sternschnuppen des Perseiden-Stroms und durch Kunstlicht entfremdet von der Schönheit der Nacht, entgeht vielen Menschen, dass es das ganze Jahr über „schnuppt“. Über den ganzen Oktober hinweg schenken uns die vom Halleyischen Kometen (Orioniden) und dem Kometen 2P/Encke (Tauriden) hinterlassenen Staubteilchen beim Eintritt in die Atmosphäre Sternschnuppen. Zwar sind es nur wenige pro Stunde – darunter sind allerdings spektakuläre Feuerkugeln. Am besten mummelt man sich gut ein und genießt dieses ökologisch vertretbare Feuerwerk ab Mitternacht. Ganz und gar nicht ökologisch ist derweil das, was man in letzter Zeit häufiger zu sehen bekommt: in unsere Erdatmosphäre eindringende Trümmerteile von Satelliten, die unsere Ozonschicht gefährden.
Käsiger Vollmond
Bis Neumond am 10. Oktober und dem zunehmenden Halbmond am 17. Oktober sind die Nächte gut zum Sterneschauen geeignet. Danach wird unser Mond immer mehr den Nachthimmel dominieren, und wenn er am 26. als Vollmond gegen 18 Uhr am Osthorizont aufgeht, dürfte er – je nach Menge der Staubpartikel in unserer Atmosphäre – wie ein Goudakäse gelblich leuchtend beeindrucken.
Schlafende Menschen, Skyglow und kranke Spatzen
Trotz seiner geringen Beleuchtungsstärke von unter 0,3 lx ist der Vollmond das hellste natürliche Licht in der Nacht. Er ermöglicht uns sogar Farbwahrnehmung. Scheint er jedoch in unsere Schlafräume, sorgt selbst diese geringe Intensität – weit unterhalb von Straßen-beleuchtungsniveau – für schlechteren Schlaf, wie Forschende der Charité Berlin herausgefunden haben. Sie führen aus, dass das Licht in der Ruhephase ein Stressfaktor ist und das Stresshormon Cortisol erhöht. Gleichzeitig wird das wichtige Hormon Melatonin gedrosselt, was sich negativ auf den Stoffwechsel auswirken kann.
Ähnlich verhält es sich in der Tierwelt, denn nächtliches Kunstlicht verändert unter anderem ihre innere Uhr und hemmt die Melatonin-Ausschüttung, was die Immunregulation stört. Die Aktion „Stunde der Gartenvögel“ hat nun einen drastischen Rückgang bei Haussperlingen, den beliebten Spatzen, aufgezeigt – vor allem in Städten. Als eine der Ursachen wird die Vogelmalaria vermutet. Aus Untersuchungen an Feldsperlingen weiß man, dass diese, wenn sie nachts dem Kunstlicht ausgesetzt sind, Infektionen weniger gut verkraften können, länger krank sind und dadurch Viren verbreiten und schneller daran sterben können.
Das sollte uns betroffen machen, denn es ist unser nächtliches und wenig genutztes Dauer-Kunstlicht, das direkt wirkt oder aufsummiert den bewölkten Stadthimmel taghell leuchten lässt und weit über die Stadtgrenzen hinaus abstrahlt. Und Tiere haben bekanntermaßen keine Fenster mit Rollo. „Licht aus“ ist also nicht nur ein Thema für Sternenfans, sondern auch für die Sicherung der Artenvielfalt, denn als Teil des Ökosystems helfen Spatzen bei der Schädlingsbekämpfung und der Unkrautkontrolle.
Bildunterschrift
Foto 2: Insbesondere bei Bewölkung kommt der sogenannte „Skyglow“, die künstliche Aufhellung des Himmels, besonders zum Tragen und lässt für Flora und Fauna keine Dunkelheit mehr zu. Foto: Dr. Andreas Hänel
Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu. Die monatliche Himmelsvorschau, ausführliche Informationen zum Sternenpark, zum Thema Schutz der Nacht und umweltverträgliche Beleuchtung sowie Erlebnisangebote und Veranstaltungen im Sternenpark Rhön findet man auf der Webseite des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark
Hintergrund: Sternenpark Rhön
International Dark Sky Reserve: Dieser Titel wurde dem länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön auf Antrag der Regionalen Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise (ARGE Rhön) im Sommer 2014 verliehen. Die International Dark Sky Association (IDA) vergibt den Titel an Schutzgebiete mit einem sternreichen Himmel und einer weitgehend intakten Nachtlandschaft, die wegen ihres ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Werts beziehungsweise ihrer Bedeutung für Bildung und Erholung großräumig geschützt werden. In Deutschland heißen diese Gebiete Sternenpark.
Die Kulisse des Sternenparks Rhön erstreckt sich im Wesentlichen über das Gebiet des Biosphärenreservats. Mehr als 40 Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen haben freiwillig die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinien unterzeichnet. Aber auch Kommunen außerhalb der Gebietskulisse beteiligen sich am Schutz der Nacht. Ziel ist, Lichtverschmutzung bestmöglich zu reduzieren – also zu verhindern, dass künstliche Beleuchtung den Nachthimmel und somit wiederum die Natur und Schutzgebiete aufhellt. Rechtliche Grundlagen liefert unter anderem das Bundesnaturschutzgesetz.
Zu den Maßnahmen im Sternenpark zählen die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung von Parametern wie zielgerichtete Lichtlenkung, warme Lichtfarben mit geringem Blauanteil und bedarfsorientiere Beleuchtung und Intensität, aber auch zeitweise Abschaltung in der Nacht, für die sich Kommunen und Unternehmen freiwillig entscheiden.
Das Projekt Sternenpark ist aber nicht nur ein relevanter Bestandteil im Klima- und Artenschutz in der Region, sondern die Region profitiert auch im Bereich Tourismus und Erholung von der Auszeichnung. Im Sinne einer umweltfreundlichen Besucherlenkung und der Umweltbildung wurden Angebote wie Sternenparkführungen und Himmelsschauplätze entwickelt. Die Auszeichnung der IDA ist nicht auf Dauer verliehen, sondern die Maßnahmen werden jährlich evaluiert. Der Sternenpark Rhön ist somit ein Gemeinschaftswerk der Kommunen, Unternehmen und den Menschen, die in der Region leben.
Rund um das Thema Beleuchtung erhalten Kommunen, Vereine und Gewerbetreibende, aber auch Privatleute Beratung. Auch Fördermittel stehen unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung. Ansprechpartner sind die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda sowie die Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats in Hessen, Bayern und Thüringen.